Sascha Pallenberg: “Du kannst jedes Blog monetarisieren.”

Ökonomie deutscher Blogs Teil 1: Sascha Pallenberg betreibt von Taipei aus Netbooknews, einen Tech-Blog mit einer deutsch- und einer englischsprachigen Version und verdient damit nach eigenen Aussagen richtig Geld, er hat sogar Angestellte. In den USA wäre das nichts neues, in Deutschland ist das fast schon revolutionär. Doch Pallenberg hat es nicht nur selbst geschafft, er propagiert auch, dass sich Blogs generell monetarisieren lassen. Auf der Re:publica hat er einen Vortrag über die Monetarisierung von Blogs gehalten und dabei seine Erfolgs-Prinzipien genannt. Der Saal war voll, vor allem von Kollegen, die gern selbst über sich sagen würde: ich kann vom Bloggen leben.

Hallo Sascha, du sagst, dass du vom Bloggen leben kannst, meinst du das ernst?

Ja natürlich.

Viele deiner Blogger-Kollegen würden das auch gern von sich behaupten können. Was machst du anders?

Ich arbeite sehr viel, ich vernetze mich sehr viel, und ich versuche, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die mir das Bloggen bietet.

Auf deinem Re:publica-Vortrag zur Monetarisierung von Blogs hast du einige Erfolgsfaktoren genannt, vor allem: Content is King. Wie muss Content beschaffen sein, damit er ökonomischen Erfolg bringt?

Blogging ist schneller als jedes andere Medium, außer Twitter vielleicht. Die einzige Möglichkeit, gegen etablierte Medien zu bestehen, ist, mich in Schnelligkeit zu flüchten — und in Exklusivität. Eigenständiger Content ist sehr wichtig, wenn der auch noch gut geschrieben ist, kommen die Leute wieder.

Dann hast du über Creative Commons geredet. Das heißt auf den ersten Blick erst einmal, dass man seinen Content verschenkt. Wie entsteht dadurch ökonomischer Nutzen?

Creative Commons ist die einzige Möglichkeit für mich, meinen Content jedem zugänglich zu machen und an neue Leserschaften zu kommen. Ich möchte, dass andere Seiten meinen Content featuren und sie dabei niemals rechtliche Bedenken haben müssen. Sie können es kommerziell nutzen, und von mir aus können sie es auch eins-zu-eins kopieren, sie brauchen noch nicht mal einen Back-Link zu setzen. Aber sollte ich das herausbekommen, kann es sein, dass ich einen bösen Kommentar ablasse.

Du willst also schon, dass sie einen Link setzen …

Aber selbstverständlich. Das wäre ansonsten eine Art von Diebstahl, obwohl mein Content frei ist.

Und dann ruf ich da an und sage: guck dir mal meinen Blog an, können wir nicht in irgendeiner Weise zusammenarbeiten?

Jetzt zu dir als Blogger, wie viel Stunden arbeitest du durchschnittlich am Tag?

Das können manchmal 8 Stunden sein, das ist dann meistens Wochenende (lacht). Und es können aber auch mal 12 oder 14 Stunden sein. Wenn du denkst, dass du mit einem Acht-Stunden-Tag ein erfolgreiches Blog betreiben könntest, wird das nicht funktionieren.

Also ist dein Geheimnis Selbstausbeutung?

Nein, überhaupt nicht. Es ist für mich kein Job, es ist ein Lifestyle, eine Lebenseinstellung.

Kannst du mal einen typischen Arbeits-Tag von dir beschreiben …

Wenn ich in Taiwan bin, stehe ich um acht oder neun Uhr auf, gehe kurz unten an der Straßenecke etwas frühstücken, wieder hoch und mache den Rechner an. Dann schau ich in den RSS-Reader, beantworte Leser-Mails und schaue, was auf Facebook und Twitter los ist. Zu der Zeit ist es in Deutschland noch etwa 4 Uhr morgens. Den ganzen Vormittag bis in den frühen Nachmittag hinein schreibe ich deutsche News vor. Nachmittags gehe ich raus, besuche Firmen, gehe zum Computermarkt und setze diesen Content dann noch einmal um. Roland, mein Co-Blogger in Berlin, schreibt dann auch nachmittags, wenn ich unterwegs bin, weiter News für die deutsche Seite.

Wie viele Leute arbeiten für Netbooknews.de und .com?

Wir sind bis jetzt vier Leute. Je ein Co-Blogger in Berlin und Seoul und eine Co-Bloggerin in Taipei. Gerade stellen wir noch jemand weiteren in München ein. Und wir haben eine 400-Euro-Ausschreibung für einen weiteren Blogger gemacht, der News aggregiert.

Arbeiten die drei Vollzeit für dich?

Robert in Berlin und Nicole in Taipei arbeiten Vollzeit. John in Seoul arbeitet als Nebenjob für uns. Und der zweite Blogger in München wird das auch als Nebenjob machen.

"Bloggen ist für mich kein Job, es ist ein Lifestyle, eine Lebenseinstellung."

Du hast also schon relevante Personalkosten, die du decken musst. Wie hoch sind in etwa deine Einnahmen?

Wir generieren in unserem Netzwerk jeden Monat fünfstellige Einnahmen, also im Jahr einen guten sechsstelligen Betrag. Wir haben natürlich auch Ausgaben, das darf man nie miteinander verwechseln. Wir sind auf fast allen Konferenzen, wenn du dafür kein Sponsor findest, kostet das ordentlich Geld.

Was sind deine Einnahmequellen?

Die klassischen Online-Werbemittel, vor allem Einnahmen über Amazon-Links, aber auch Google-Werbung und die Direktvermarktung von Werbeflächen.

Die landläufige Meinung ist, dass sich für Blogger mit Werbung nur lächerliche Einnahmen erzielen lassen. Wie läuft das Werbe-Geschäft bei dir?

Sehr gut. Allerdings versuche ich, mich selbst zu vermarkten, weil ich dann nicht diesen Mittelsmann habe, der mir seine Provision wegnimmt.

Wie wählst du die Kunden aus?

Ich schau, welche Firmen relevant für meinen Content sind. Und dann ruf ich da an und sage: guck dir mal meinen Blog an, können wir nicht in irgendeiner Weise zusammenarbeiten? Mittlerweile ist es teilweise auch so, dass Werbekunden selbst auf uns zukommen.

Hast du noch andere Einnahmequellen?

Die Blogeinnahmen machen mittlerweile etwa nur noch 60% unserer Einnahmen aus, die anderen 40% kommen durch Beratung und Konferenzen zustande.

Wen berätst du?

Ich berate vor allem Hardware-Hersteller Taiwan, wie sie es anstellen können, dass ihre Produkte auch von Europäern gemocht werden. Ich berate sie auch in Bezug auf Social Media und wie sie in diesen Zeiten PR machen können.

Erläutere mal bitte das Konferenz-Modell …

Ich mache zum Beispiel den Host für den Netbook World Summit in Paris, ich bin im Boards of Advisors vom Netbook Summit in San Francisco, ich halte Reden. Je nachdem, was du machst, wirst du ganz gut dafür bezahlt.

Aber für die Re:publica hast du nichts bekommen, oder?

Nein, ich würd niemals auf die Idee kommen, dafür Geld zu verlangen. Die sollen mir nur mein Konferenz-Ticket besorgen.

Auf dem Vortrag zur Monetarisierung von Blogs hast du einen Pullover mit großem Logo von Intel getragen. Hast du noch andere Sponsoren?

Intel und Qualcomm als dessen Gegenspieler sind meine Hauptsponsoren. Dann sind da die Speicherhersteller Kingston und Onecore RunCore (Danke Cedric) und RIM, der Hersteller des Blackberry. Und ich glaub, ich war der erste Blogger, der von Vodafone gesponsort wurde.

Ich bin der festen Überzeugung: wenn du ein gutes Blog mit ein paar Tausend Besuchern und tollen Content hast, kannst du jedes Blog monetarisieren.

Wie sieht deine Gegenleistung aus?

Ich teste natürlich deren Produkte und gebe ihnen Feedback, und ich besuche Messen für sie. Das wichtige dabei ist, immer komplett transparent zu bleiben und den Lesern zu sagen: „Hey, die bezahlen mir das.“

Bekommst du Anfragen, bezahlte Artikel zu schreiben?

Ja, sehr häufig. Aber ich würde niemals bezahlte Artikel über ein Produkt schreiben, weil das für mich gegen die Grundprinzipien des Bloggens verstößt. Und es gibt von mir auch keinen SEO-Scheiß und keinen bezahlten Link-Juice, ist nicht.

Du bist Techblogger. Man sagt, konsumnahe Seiten wie Gadget- und vielleicht Mode-Blogs sind die einzigen, mit denen sich Geld verdienen lässt. Siehst du das auch so?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt tolle und sowas von wichtige Blogs in Deutschland. Markus Beckedahl macht mit netzpolitik ein sensationell gutes Blog. Er könnte das in meinen Augen wunderbar vermarkten. Warum kann nicht Anne Will oder Maybritt Illner Werbung auf einem Politikblog machen, wieso können nicht Nachrichtenmagazine oder Fernseh-Magazine wie Monitor und Panorama auf so einem Blog auf ihre Sendung hinweisen?

Warum passiert es nicht?

Keine Ahnung, vielleicht hat Markus die noch nicht gefragt. Oft kommen sie nicht zu dir, du musst zu ihnen gehen. Ich bin der festen Überzeugung: wenn du ein gutes Blog mit ein paar Tausend Besuchern und tollen Content hast, kannst du jedes Blog monetarisieren.

Links: Acht Erfolgsfaktoren nach Sascha Pallenberg

So fragen die anderen:
Sascha Pallenberg sagt: Ja! (Karrierebibel); Ich suche 400-Euro-Blogger ( dctp.tv), Pallenberg über Social Media (Leander Wattig)

Weitere Interviews:
Leak-o-nomy: Die Ökonomie hinter Wikileaks – Julian Assange
“Aber man hat mich ja nicht gefragt” – Alfred Neven DuMont

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12 Responses to Sascha Pallenberg: “Du kannst jedes Blog monetarisieren.”

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  2. cedricauf says:

    Bei seinem Sponsor handelt es sich um den chinesischen SSD-Spezialisten RunCore und nicht OneCore.

  3. Der Mann sagt die Wahrheit! Aber nicht nur Profis wie Sascha, sondern auch die Blogger, die ihr Blog als leidenschadftliches Hobby betreiben, können immer leichter Erträge generieren. Für den einen kann das eigene Blog die Handyrechnung bezahlen, für den anderen die Miete. Als Blogvermarkter spüren wir das, die Bereitschaft, im Blogumfeld Werbung zu schalten, wird immer höher! Und das in Deutschland!

    Die Blogosphäre ist als Kollektiv eine Macht. Das wissen Blogger, aber sie müssen auch verstehen, das dies auch für die Vermarktung gilt – erst als organisiertes Kollektiv wird man wirklich interessant. Genau das begreifen wir als unsere Hauptaufgabe – und nehmen gerne jedes Blog nach positiver, inhaltlicher Prüfung durch uns in die Vermarktung auf. Je mehr Reichweite wir am Markt anbieten können, umso höher die Vermarktungswahrscheinlichkeit. Mit jedem neuen Blog steigt die Wahrscheinlichkeit für jeden Blogger, mehr zu verdienen.

    Man verzeihe mir bitte den Salespitch für unsere Firma mokono, aber das Organisieren der Blogs macht Blogs als Kollektiv für die Werbung treibende Wirtschaft erst überhaupt operationalisierbar! Dann kommen auch die Werbeaufträge.

    Also let´s go! Fragen beantworte ich gerne.

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